jüdisches Leben
Seit dem frühen 13. Jahrhundert lebten
jüdische Familien in Konstanz und waren Teil
des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Lebens. Ihr Wohn- und Lebensbereich lag im
Mittelalter vor allem in der Altstadt, unter
anderem in der heutigen Münzgasse (der
früheren „Judengasse“) sowie in Bereichen rund
um den Fischmarkt und die Rosgartenstraße.
Auch die mittelalterliche Synagoge befand sich
vermutlich im Umfeld der heutigen
Rosgartenstraße.
Trotz dieser Einbindung war die Geschichte von
Konflikten und Verfolgungen geprägt.
Besonders einschneidend war der Pestpogrom
von 1348/1349, der im Zusammenhang mit der
Pestepidemie in ganz Europa stattfand. Auch in
Konstanz wurden Juden fälschlich beschuldigt,
Brunnen vergiftet zu haben. Im Jahr 1349 kam
es schließlich zu einem Massaker, bei dem mehr
als 300 jüdische Einwohner außerhalb der Stadt
auf dem sogenannten Brühl verbrannt wurden.
Dieser Pogrom markierte einen tiefen Einschnitt
in die Stadtgeschichte und führte dazu, dass
die jüdische Gemeinde stark dezimiert wurde.
Im Jahr 1448 wurde die jüdische Bevölkerung
endgültig aus Konstanz vertrieben, womit das
mittelalterliche jüdische Leben in der Stadt für
mehrere Jahrhunderte endete. Damit
verschwanden auch die Synagoge und
wichtigste jüdische Einrichtungen aus dem
Stadtbild.
Im 19. Jahrhundert begann ein neuer Abschnitt
jüdischen Lebens in Konstanz. Nach der
rechtlichen Gleichstellung im Großherzogtum
Baden durften sich jüdische Familien wieder
dauerhaft in der Stadt niederlassen. Ab den
1860er-Jahren entstand eine neue Gemeinde,
die rasch wuchs und sich stark in das städtische
Leben integrierte.
Im Jahr 1883 wurde in der Sigismundstraße
eine Synagoge eingeweiht, welche 1931
modernisiert wurde. Diese Phase jüdischen
Lebens war geprägt von wirtschaftlichem
Erfolg, kultureller Teilhabe und wachsender
Sichtbarkeit in der Stadtgesellschaft.
Mit der Machtübernahme der
Nationalsozialisten 1933 endete dieser
Aufschwung. Die jüdische Bevölkerung wurde
entrechtet, verfolgt und deportiert. Die
Synagoge wurde während der
Reichspogromnacht 1938 zerstört, viele
Gemeindemitglieder wurden ermordet.
Nach 1945 begann ein langsamer Neubeginn,
der vor allem durch Zuwanderung aus
Osteuropa in den 1990er-Jahren wieder an
Stärke gewann. Heute existiert in Konstanz
wieder eine aktive jüdische Gemeinde mit
eigener Synagoge, die seit 2019 ein sichtbares
Zeichen jüdischen Lebens in der Stadt ist.