Auf den Spuren des mittel-
alterlichen Handwerks
Die Entstehung des Handwerks reicht bis in die
Anfänge der Zivilisation zurück, als Menschen
begannen, aus natürlichen Ressourcen
Werkzeuge und Gegenstände für den täglichen
Bedarf zu fertigen.
Mit der Bildung von Siedlungen und der
Entstehung komplexerer Gesellschafts-
strukturen entstanden mit der Zeit
spezialisiertere Berufe, die sich auf wenige
Produkte beschränkten und mit diesen dann
zumindest im regionalen Maßstab handelten –
die Anfänge des Handels. Mit der Stadt-
entwicklung im Laufe des Hochmittelalters kam
es zu einer „Landflucht“ und damit zu einem
Aufblühen der Städte, wovon der Handel und
das Handwerk profitierten.
Um die Handwerkerschaft und teils auch die
Händler zu organisieren bzw. zu lenken,
entstanden mit dem Aufblühen des Handwerks
die sogenannten Zünfte. In Verden wurden sie
als Ämter bezeichnet und um 1330 erstmals
erwähnt.
Die Zünfte waren nach Gewerken organisiert
und wurden vom Stadtrat überwacht. Durch die
Zünfte wurden unter anderem die Arbeits-
bedingungen und Arbeitszeiten kontrolliert und
die Qualität der Arbeit bzw. der Produkte
überprüft. Die Zünfte regelten jedoch auch den
Zugang zum „Markt“, denn in jeder Stadt gab
es den Zunftzwang, sodass man als
Handwerker in der Zunft sein musste, um das
gewünschte Gewerk auszuüben.
Durch die Industrialisierung erlebte das
Handwerk eine tiefgreifende Transformation.
Die Einführung von Maschinen und die Massen-
produktion in der Fabrikindustrie führten dazu,
dass viele handwerkliche Tätigkeiten durch
automatisierte Verfahren ersetzt wurden.
Besonders in Bereichen wie der Textil-
produktion, Metallverarbeitung und
Holzverarbeitung setzten sich industrielle
Fertigungsmethoden durch, die eine höhere
Produktivität und günstigere Preise
ermöglichten.
Im ganzen Domherrenhaus sind die Spuren des
Verdener Handwerks zu finden, vor allem
natürlich im dritten Obergeschoss. In der Stadt
selbst hingegen sind die Spuren des mittel-
alterlichen Handwerks kaum mehr sichtbar. Mit
der Industrialisierung und vor allem mit dem
Wirtschaftswunder der 1950/1960er Jahre und
der Digitalisierung der letzten 30 Jahre hat sich
die Welt des Handwerks umfassend gewandelt
und hat nichts mehr mit dem Handwerk des
Mittelalters und der Neuzeit gemeinsam.
Sofern bekannt, weisen wir auf die ehemaligen
Standorte der Gewerke in Verden hin und
betrachten vorwiegend das Handwerk und seine
Facetten im Museum.