Kirche St. Michael

Über die Anfänge von Fürth ist kaum etwas bekannt. Im 7./8. Jahrhundert entstand ein Königshof mit einer Kapelle, die genaue Lage konnte bisher archäologisch nicht belegt werden. Man geht jedoch davon aus, dass dieser Hof nördlich der heutigen Altstadt lag (Kapelle St. Martin im Wiesengrund). Unweit dieser Stelle befindet sich der Zusammenfluss von Pegnitz und Rednitz zur Regnitz. Gleich mehrere Fernhandelsrouten querten hier mittels einer Furt die Flüsse und gaben der Stadt Fürth ihren Namen. Um 907 wurde bei einem Gütertausch eine Siedlung namens Fürth indirekt erwähnt. Erst 100 Jahre später, also im Jahr 1007, folgte eine erste urkundliche Erwähnung Fürths in einer Urkunde von Kaiser Heinrich II. zur Gründung des Bistums Bamberg. Die Siedlung Fürth erhielt bereits früh das Recht, einen Markt abzuhalten (das Marktrecht wurde 1062 verliehen), doch das Stadtrecht und eine unabhängige und eigenständige Verwaltung blieb Fürth bis ins frühe 19. Jahrhundert verwehrt. Zunächst gehörte Fürth zum Bistum Bamberg, später stießen dann in Fürth die drei Territorien der Freien Reichsstadt Nürnberg, des Domkapitels Bambergs und des Marktgrafens von Ansbach aneinander. Es entstand die sogenannte „Dreiherrschaft“. Die Kirche St. Michael ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt und steht strategisch günstig hoch über der Flussniederung. Gegründet wurde die Kirche als Wehrkirche. Bei Angriffen fanden hier die Bewohner Schutz. Besonders während des Dreißigjährigen Krieges war die Kirche der letzte Schutz der Bevölkerung vor den anrückenden Truppen. Die Schutzmauer um die Kirche ist noch immer zu erkennen, später diente sie als Friedhofsmauer.
Der älteste Teil der Kirche ist das Langhaus (gelb) aus 1100. Die dicken Mauern boten Schutz. Der Turm (rot) , diente zur Verteidigung und zur Orientierung. Er wurde um 1400 errichtet. Die Kirche wurde 1480 um den Chorraum (blau) erweitert. Die Fenster im Chorraum (grün) wurden vor etwa 50 Jahren erneuert.
Vom frühen 15. bis ins späte 18. Jahrhundert teilten sich das Hochstift Bamberg, die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und die Reichsstadt Nürnberg die Herrschaftsrechte über Fürth – die sogenannte „Fürther Dreiherrschaft“. Dadurch besaßen drei Mächte gleichzeitig Einfluss auf die Stadt, jedoch nicht in Form eines Kondominiums sondern als Rivalität, sodass es immer wieder zu Streitigkeiten kam. Andererseits verhalf diese besondere Situation den Bewohnern größere Freiheiten, förderte Handel und Gewerbe und begünstigte die Entwicklung der bedeutenden jüdischen Gemeinde in Fürth.